Geschichte verstehen · Erfurt und Andreasstraße

DIE STASI

Was war die Stasi – und was bedeutete ihre Macht für Menschen in Erfurt?

Dieser Überblick verbindet die Geschichte der Staatssicherheit mit der Andreasstraße. Meine persönliche Dokumentation (Mario V.W.B.R. Obst) zeigt einen einzelnen Lebensweg. Forschung und öffentliche Quellen ergänzen ihn um den historischen Zusammenhang.

Eine Geheimpolizei für die Parteiherrschaft

Das Ministerium für Staatssicherheit wurde am 8. Februar 1950 gegründet. Es sollte die Herrschaft der SED sichern und tatsächliche oder vermeintliche Gegner verfolgen. Seine Geschichte reicht von den frühen Jahren der DDR über den Mauerbau bis zur Friedlichen Revolution 1989. Die Stasi arbeitete dabei unter der politischen Führung der Partei.[1], [2]

Überwachung reichte in den Alltag

Briefe, Telefongespräche, Wege und persönliche Beziehungen konnten zu Informationsquellen werden. Inoffizielle Mitarbeiter berichteten verdeckt aus ihrem Umfeld. Die Staatssicherheit wollte Menschen beobachten, ihr Handeln beeinflussen und politischen Widerspruch bekämpfen. Welche Maßnahmen einen bestimmten Menschen trafen, muss anhand seines Falls untersucht werden.[3]

Erfurt: Ein Apparat und ein konkreter Ort

Die Bezirksverwaltung und ihre Kreisdienststellen verankerten die Staatssicherheit in der Region. In der Andreasstraße lag die Erfurter Untersuchungshaftanstalt des MfS. Das Gefängnis wurde zugleich von der Volkspolizei genutzt; für eine Haftgeschichte sind deshalb Zeitraum und verantwortliche Behörde entscheidend.[4], [5]

Meine Haft gehört zu dieser Geschichte. Der Rehabilitierungsbeschluss von 1993 hob das gegen mich ergangene Urteil auf und stellte fest, dass es der politischen Verfolgung gedient hatte. Die Freiheitsentziehung vom 14. Februar bis 20. Oktober 1989 wurde als zu Unrecht erlitten anerkannt.[6] Mein Fall steht neben anderen Erfahrungen – er erzählt nicht stellvertretend für alle Inhaftierten.

Meine Geschichte lesen · Den Rehabilitierungsbeschluss ansehen

1989: Das Ende der Kontrolle

Am 4. Dezember 1989 besetzten Bürgerinnen und Bürger die Erfurter Stasi-Bezirksverwaltung. Sie wollten die weitere Vernichtung von Unterlagen verhindern. Aus dem Ort der Haft wurde später ein Ort des Erinnerns und Lernens. Die Andreasstraße und die Stiftung Ettersberg vermitteln heute diese Geschichte.[5]

Erhaltene Akten ermöglichen Einblicke in die Verfolgung. Sie müssen im Zusammenhang gelesen und mit Forschung sowie persönlichen Erinnerungen verglichen werden. Genau diesen Zugang möchte meine Website eröffnen.

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Quellen zum Überblick ansehen
  1. Jens Gieseke: Von der Gründung bis zum Untergang, bpb, 2. Januar 2017, Abschnitte zur Vorgeschichte, zum Ausbau nach 1961, zur Entspannungspolitik und zur Auflösung. Quelle öffnen. ↩
  2. Walter Süß: Das Verhältnis von SED und Staatssicherheit. Eine Skizze seiner Entwicklung, BF informiert 17/1997, hg. BStU, Berlin 1997, S. 4–7 (Gründungsgesetz, Statuten, politische Anleitung und direkte Führungskontakte). Quelle öffnen. ↩
  3. Helmut Müller-Enbergs: Inoffizieller Mitarbeiter (IM), MfS-Lexikon, Bundesarchiv; Aufgaben, Schätzung für 1989 und regionale Unterschiede. Quelle öffnen.
    Roland Wiedmann: Postkontrolle, MfS-Lexikon, Bundesarchiv; Aufträge, Auswahl und Bearbeitung von Sendungen. Quelle öffnen.
    Angela Schmole: Telefonüberwachung, MfS-Lexikon, Bundesarchiv; technische Entwicklung und Auswertung. Quelle öffnen.
    Angela Schmole: Beobachtung, operative, MfS-Lexikon, Bundesarchiv; Beauftragung, Linie VIII und Verwendung der Informationen. Quelle öffnen. ↩
  4. Bundesarchiv: Bezirksverwaltung (BV, BVfS), MfS-Lexikon, Abschnitte zur Reform von 1952, zum Linienprinzip und zu zentral vorbehaltenen Aufgaben. Quelle öffnen. ↩
  5. Stiftung Ettersberg: Geschichte des Ortes, Abschnitte „Andreasstraße im Wandel“ und „Erste Stasi-Besetzung in der DDR“ sowie Lebensgeschichte Lorenz Pagés (erneut geprüft am 2. Oktober 2026). Institutionelle Darstellung.
    Johannes Beleites: Abteilung XIV: Haftvollzug (MfS-Handbuch), hg. BStU, Berlin 2009, faksimilierter Nachdruck 2004, S. 61–62, Abschnitt „BV Erfurt“, zur gemeinsamen Gefängnisnutzung durch MfS und Volkspolizei. Fachstudie öffnen (PDF). ↩
  6. Bezirksgericht Erfurt, II. Rehabilitierungssenat: Beschluss vom 21. April 1993, II Reha 245/93, beglaubigte Ausfertigung vom 26. Mai 1993, S. 1–2. Persönliche Sammlung Mario V.W.B.R. Obst; vorliegende Digitalisierung gelesen. S. 3–4 enthalten ein historisches Merkblatt. Geschwärzte Fassung öffnen. ↩